Inhaltsangaben der Vorträge
Kopernikus, Kepler und die relativen Abstände
im Sonnensystem
Dr. Arnold Oberschelp, Heikendorf
Wenn man fragt, wer zuerst die relativen Abstände im Sonnensystem
bestimmt hat, so wird oft ? und zwar auch bei astronomisch Interessierten ?
Johannes Kepler (1571-1630) genannt. Das "dritte Keplersche Gesetz",
das sich ja in der Tat als der Schlüssel zur Vermessung des Sonnensystems
erwiesen hat, wird auch häufig als der zeitliche Startpunkt dafür
angesehen. Deshalb ist es vielleicht angebracht, darauf hinzuweisen (was allerdings
keineswegs eine neue Erkenntnis ist), dass es Nikolaus Kopernikus (1473-1543)
war, der als Erster - und zwar bereits um 1510, also weit vor Erscheinen seines
bekannten Hauptwerks 1543 - die Frage beantwortete, wie weit Merkur, Venus,
Mars, Jupiter und Saturn von der Sonne im Vergleich zur Erde entfernt sind.
Seine Werte sind erstaunlich gut, ausgedrückt in Astronomischen Einheiten
(AE): Merkur: 0,38. Venus: 0,72, Mars: 1,52, Jupiter: 5,22, Saturn: 9,21
Die modernen Werte für die mittleren Abstände sind dagegen: Merkur:
0,39. Venus: 0,72, Mars: 1,52, Jupiter: 5,20, Saturn: 9,55.
Das Werk des Kopernikus beeindruckte und beeinflusste insbesondere Johannes Kepler. In seinem ersten Buch "Mysterium Cosmographicum" (1596) weist er explizit auf die von Kopernikus angegebenen relativen Abstände hin und zeichnet erstmals ein "maßstäblich richtiges" Bild des Sonnensystems. Zeitlebens war es ihm ein wichtiges Anliegen, eine Erklärung für die relativen Abstände zu finden. Zwischen den Planetensphären, d.h. den Kugelschalen, innerhalb derer sich die Planeten bewegen, ist ja (anders als bei Ptolemäus) sehr viel freier Raum, von dem er meinte, dass es dafür eine Erklärung geben müsse. Kepler glaubte, diese darin gefunden zu haben, dass sich zwischen die Planetensphären die fünf regelmäßigen platonischen Körper (Würfel, Tetraeder, Dodekaeder, Ikosaeder, Oktaeder) einfügen lassen. Er war auch überzeugt, dass es nur sechs Planeten gibt, weil es nur fünf regelmäßige Körper für die Zwischenräume gibt. Heute wissen wir, dass Kepler damit in die Irre ging. Die Abstände und auch die Anzahl der Planeten haben keine einfache Erklärung, vielmehr sind sie ein Ergebnis der komplizierten Evolution des Sonnensystems.
Das "dritte Keplersche Gesetz" wurde 1618 entdeckt und die große Bedeutung dieses Gesetzes für die Vermessung des Sonnensystems erst später erkannt.
Ein "Pfauenschwantz" am Himmel?
Der Einfluss der Kometenbeobachtungen um 1600
Dr. Bernd Pfeiffer, Mainz
Angeregt durch eine unbeachtet gebliebene Sichtung des Kometen von 1577 durch Ingelheimer Bürger wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die ersten präzisen Messungen der Position von Kometen um 1600 auf unser Verständnis der Natur von Kometen und den bis dahin alles beherrschenden Lehren des Aristoteles hatten. Ermöglicht wurde der Aufschwung der westeuropäischen Astronomie im 16. Jahrhundert nicht zuletzt durch die Entwicklung neuer Messinstrumente (nicht Teleskopen) und den Bau von Observatorien z.B. durch Landgraf Wilhelm IV. in Kassel und Tycho Brahe, die damit das Erbe der Observatorien in der islamischen Welt (Maragha, Samarkand) und China antraten.
Der Ptolemäus von Kassel: Landgraf Wilhelm IV. und die Astronomie
Dr. Karsten Gaulke, Kassel
Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (reg. 1567-1592) ging in die Geschichte als der "Astronomen-Landgraf" ein. Unter Astronomiehistorikern gilt der "Astronomen-Landgraf" Wilhelm IV. neben Tycho Brahe als bedeutendster Vertreter der messenden Astronomie des 16. Jahrhunderts. Dagegen ist in der Forschung bisher weitgehend unbeachtet geblieben, welche politischen Vorteile die Beschäftigung mit der Astronomie für Wilhelm IV. und seine Landgrafschaft hatte. Der Vortrag stellt in einem einleitenden Teil die astronomischen Aktivitäten im landgräflichen Schloss zwischen 1560 und 1592 vor, um im zweiten Teil auf die politische Bedeutung der Astronomie zu sprechen zu kommen.
Astronomie in alten Chroniken
Dr. Olaf Kretzer, Suhl
In der heutigen, schnelllebigen Zeit wird man ständig mit neuen Entdeckungen auf den verschiedenen Gebieten der Astronomie konfrontiert. Aber es gibt auch noch astronomische Schätze zu heben an Stellen die man kaum vermutet: in alten Chroniken. Ob einfache Ortschroniken, Regionalchroniken oder Chroniken von Herrscherhäusern - vielen dieser Werke sieht man nicht an welch interessante Informationen sie enthalten. Im Vortrag wird an Hand ausgewählter Beispiele versucht, einen Überblick zu geben über die Möglichkeiten aber auch Grenzen dieser astronomischen Archivarbeit.
Geschichte der Bergsternwarten
Dr. Stefan Binnewies, Much
Schon Newton schlug vor, von hohen Bergen aus zu beobachten. Nach ersten Versuchen auf Teneriffa und Sizilien wurde die Idee schließlich im späten 19. Jahrhundert realisiert. Als erste echte Bergsternwarte muss das Lick Observatory auf dem kalifornischen Mt. Hamilton angesehen werden. Der Drang nach oben war nun nicht mehr zu stoppen. Mt. Wilson, Mt. Palomar, Kitt Peak und Mauna Kea waren wichtige Etappen, dann wurde die Südhalbkugel erobert. Mittlerweile zieht es die Astronomen in Höhen über 5000 m - das Beobachten wird zum Hochleistungssport!
Woher kommt das 13. Tierkreissternbild?
Dr. Joachim Ekrutt, Hamburg
Jeder, der sich ein wenig mit Astronomie beschäftigt, lernt bald, dass es zwölf Tierkreiszeichen (Horoskop!), aber 13 Tierkreissternbilder gibt. Zwischen Skorpion und Schütze steht noch der Schlangenträger (Ophiuchus), in dem die Sonne auf der Ekliptik sogar länger verweilt als im Skorpion. Über die Gründe, warum es dort steht, gibt es abenteuerliche Vorstellungen; so wird in einem bekannten Sternatlas behauptet, die Präzession habe den Schlangenträger dort quasi hin geschoben! Aber auch, wer das nicht glaubt, hat oft keine Vorstellungen, wer und was Anfang des 20. Jahrhunderts diese Einteilung der Ekliptik verursachte. Mit den Hintergründen und mit einigen interessanten Schlussfolgerungen wollen wir uns näher beschäftigen.
Mittelalterliche Darstellungen des Himmels
Dr. Walter Oberschelp, Aachen
Es gibt eine ganze Reihe mittelalterlicher Himmelsdarstellungen (Planispherien, Astrolabien, Planetendiagramme), die als bildliche, aber i.A. nicht kommentierte Belege für das astronomische Wissen ihrer Zeit (bzw. der Zeit ihrer Ideengeber) in Frage kommen. Herausragende Objekte sind hier die Aratea (Leiden), das Salzburger Planispherium, das "Apsidendiagramm" (Madrid), Abbildungen der "Sternenuhr" (Pacificus v. Verona) oder der Wandteppich von Bayeux. Während für viele dieser Objekte ausgezeichnete kunsthistorische Untersuchungen vorliegen (z.B. von A. von Euw, W. Stevens, J. Wiesenbach), ist die Analyse der jeweils dargestellten astronomischen Details oft lücken- oder gar fehlerhaft. Es ist natürlich Vorsicht geboten hinsichtlich einer Über-Interpretation insbesondere der Genauigkeit des Dargestellten. Dennoch lassen sich manchmal zusätzliche Rückschlüsse ziehen auf Entstehungs-Zeit und -Ort und auf andere in den Abbildungen (z.T. unabsichtlich) verborgene oder verschlüsselte Fakten (z.B. Präzession, Periheldrehung, Rückläufigkeit). Es werden einige eigene Deutungsansätze geschildert und Aufgaben skizziert, die heute - unter Einbeziehung alternativer zeitgenössischer Textquellen - mit astronomischer Software in Angriff genommen werden können.
400 Jahre Teleskop - warum erst dann?
Daniel Fischer, Bonn
Heute gibt es kaum mehr einen Zweifel, dass das Teleskop im Spätsommer 1608 vom niederländischen Brillenmacher Lipperhey erfunden wurde und sofort darauf seinen Siegeszug überall in Europa antrat, mit der ersten astronomischen Nutzung spätestens im Sommer 1609. Aber warum hat es von der Erfindung funktionsfähiger Brillen Ende des 13. Jh. bis zum Fernrohr über dreihundert Jahre gedauert, wo man doch "nur" zwei Linsen hintereinander stellen musste? Anhand neuer Forschungsergebnisse hat diese Frage heute tatsächlich beantwortet werden: Der Referent hat sich dazu auch "vor Ort" auf die Spuren von Lipperhey & Co. begeben.
Schon Newton schlug vor, von hohen Bergen aus zu beobachten. Nach ersten Versuchen auf Teneriffa und Sizilien wurde die Idee schließlich im späten 19. Jahrhundert realisiert. Als erste echte Bergsternwarte muss das Lick Observatory auf dem kalifornischen Mt. Hamilton angesehen werden. Der Drang nach oben war nun nicht mehr zu stoppen. Mt. Wilson, Mt. Palomar, Kitt Peak und Mauna Kea waren wichtige Etappen, dann wurde die Südhalbkugel erobert. Mittlerweile zieht es die Astronomen in Höhen über 5000 m - das Beobachten wird zum Hochleistungssport!