Zusammenfassung der Vorträge

Dr. Jürgen Hamel, Berlin
Wissenschaftsförderung und Wissenschaftsalltag in Berlin 1700-1720 - dargestellt anhand des Nachlasses des ersten Berliner Akademieastronomen Gottfried Kirch und seiner Familie

Die Gründung der Berliner Sternwarte im Zusammenhang mit der Gründung der Berliner Akademie im Jahre 1700 diente zum einen der Umsetzung der für das gleiche Jahr beschlossenen Kalenderreform - aber ebenso, wie es hieß der Erhöhung der "Gloire" der brandenburgischen Residenzstadt (im Jahr später der preußischen Hauptstadt). Leider wurde für die bauliche und instrumentelle Ausstattung nur sehr wenig getan, die finanzpolitischen Schwerpunkte wurden anders gesetzt. So hatte der erste Astronom Gottfried Kirch mit seiner Ehefrau und seinen Kindern, die alle astronomisch tätig waren, mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen und Berlin spielte in der astronomischen Forschung eine nur untergeordnete Rolle. Dennoch wurde ohne Unterbrechung gearbeitet, wovon die erhaltenen Beobachtungstagebücher ein lebendiges Bild vermitteln. Diese Umstände und Geschehnisse aus den Quellen nachzuzeichnen ist das Ziel des Vortrages.


Dr. Volker Witt, Puchheim
Wer war Erwin Finlay Freundlich?

Als Albert Einstein nach einer empirischen Bestätigung der Allgemeinen Relativitätstheorie sucht, nimmt der Astronom und Astrophysiker Erwin Freundlich als einer der Ersten die Herausforderung an. Zusammen mit dem Architekten Erich Mendelsohn plant er den kühnen Entwurf des Einsteinturms mit dem Ziel, die von der Theorie vorhergesagte Rotverschiebung der Spektrallinien im Schwerefeld der Sonne nachzuweisen. Ausführlich werden Erwin Freundlichs Berliner Zeit und die wissenschaftlichen Lebensstationen bis zur Emigration im Jahre 1933 dargestellt. Aber auch die Jahre des Exils als Professor in Istanbul, Prag und St. Andrews bis zur Rückkehr nach Deutschland kommen zur Sprache.


Arnold Zenkert, Berlin
Bruno H. Bürgel

Bruno Hans Bürgel (1875-1948) hat sich autodidaktisch vom "Saaldiener" in der Berliner Urania-Sternwarte bis zum anerkannten Volksschriftsteller emporgearbeitet. Sein 1910 erschienenes Hauptwerk "Aus fernen Welten - Eine volkstümliche Himmelskunde", das in vier Fremdsprachen übersetzt wurde, hat ihn weltweit bekannt gemacht. Daneben war Bürgel auch der Erzähler, der mit seinen laienphilosophischen Schriften über die verschiedensten Themen den Menschen Lebenshelfer und Ratgeber sein wollte. Von 1919 lebte er bis zum seinem Tode in Babelsberg und verfasste hier die meisten seiner Werke. Eine zutreffende Beschreibung über Babelsberg mit seiner unterschiedlichen Beschaffenheit verfasste er 1938 in einer Potsdamer Zeitung.


Dr. Klaus Fritze, Berlin
Geschichte der Sternwarte Babelsberg (Vortrag und Führung)

In einem kurzen Einführungsvortrag wird zunächst die Geschichte der Sternwarte dargestellt. Anschließend folgt eine Führung. Gezeigt werden u.a. der neu renovierte Zeiss-Refraktor und die Ausstellung historischer Instrumente.

Arndt Latusseck, Hildesheim
Die Nebelschleier, das Universum und der ganze Rest - William Herschels Beobachtungen aus Originalquellen

Im Jahr 1811 veröffentlichte William Herschel eine Liste von 52 Himmelsregionen, die ihm während seiner Himmelsdurchmusterungen durch eine gegenüber der Umgebung deutlich erhöhten Hintergrundhelligkeit aufgefallen waren. Ihre bis heute ungeklärte Natur, gemeinsam mit Ihrer Bedeutung als Grundlage der Forschungen des Österreichischen Astronomen Johann Georg Hagen Anfang des 20. Jahrhunderts, war Anlass für eine eingehende Analyse der originalen Beobachtungsbücher Herschels, deren Ergebnisse in diesem Vortrag vorgestellt werden sollen. Der Vortrag gliedert sich in zwei Teile: Zum Einen werden, nach einem kurzen geschichtlichen Abriss, die Untersuchungsergebnisse bezüglich Herschels 52 „Nebulosities“ vorgestellt, die in einer überarbeiteten Liste münden sowie deutliche Hinweise darauf geben, was Herschel wirklich gesehen haben könnte. Zum Anderen ergaben sich im Rahmen dieser Analyse viele überraschende Einblicke in die praktische astronomische Arbeit Herschels. Dabei gelang es sogar, einige bislang unbekannte Erstentdeckungen Herschels nachzuweisen.


Dr. Olaf Kretzer, Suhl
Geschichte der Tagbeobachtungen von Sternen

Seit vielen Jahren geistert eine astronomische Geschichte durch die Literatur die sowohl in schöngeistigen Romanen wie auch bei astronomischen Veröffentlichungen eine Rolle spielt: das Problem ob man aus tiefen Schächten oder in hohen Türmen tagsüber die Sterne sehen kann. Es finden sich viele unterschiedliche, teilweise diametral entgegengesetzte Meinungen und Argumentationen dazu in der Literatur. Im Vortrag wird die Geschichte dieser Behauptung untersucht und die Ergebnisse von eigenen Beobachtungen in hohen Türmen vorgestellt.


Prof. Dr. Walter Oberschelb, Aachen
Cassini, Campani und der Saturnring

Gemeinhin gilt G. D. Cassini als der Entdecker der nach ihm benannten Hauptlücke des Saturnringes (Paris 1675). Im Internet findet man gelegentlich Andeutungen, dass bereits der italienische Fernrohr-Bauer G. Campani die gleiche Beobachtung einige Jahre vorher gemacht habe. Ein Bildfund in der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover beweist nun, dass Campani dies tatsächlich bereits 1664 geleistet hat. Es werden die bibliographischen Probleme der Verifikation und Echtheits-Analyse geschildert. Dabei wird eine Würdigung der beiden Forscher im Kontext der Saturnforschung zwischen Galilei und Herschel versucht.


Mechthild Meinike, Halle
Himmelskunde im Realienunterricht - aus der Geschichte der Franckeschen Stiftungen in Halle

Zu Anfang des 18. Jahrhunderts hat es in Halle/Saale verschiedene neuartige Schulformen gegeben. Der Vortrag umreißt die Himmelskunde im Realienunterricht in den Anfangszeiten der Franckeschen Stiftungen. Maßgeblichen Einfluss hatten der Gründer der Stiftungen August Hermann Francke und der Oberdiakon der Ulrichskirche Halle Christoph Semler. Als Erfinder und Pädagoge entwickelte Semler verschiedene Anschauungsmodelle für den praktisch orientierten Unterricht. Ein Teil des noch vorhandenen Instrumentariums und noch erhaltene Lehrpläne aus jener Zeit geben Einblicke in den Schüleralltag.


Dr. Wolfgang Dick, Berlin
Biographische Quellen der Astronomiegeschichte

Hier soll auf das Problem und die gegenwärtige Lösung durch den Biographischen Index eingegangen werden, ausführlich aber auch diskutiert werden, wie weitere biographische Quellen zu finden sind und welche Aufgaben es für Astronomiehistoriker gibt - in der Hoffnung, dass sich der eine oder andere der Anwesenden angesprochen fühlt und sich einer der Aufgaben widmet. Auch für Amateure gibt es vieles Sinnvolle dabei zu tun.